Modul 4

Einleitung

Hinsichtlich des Erwerbs digitaler Kompetenzen gilt:
Nur wenn Lernende wirklich verstanden haben, wie und vor allem warum sie etwas tun, um eine Herausforderung im digitalen Bereich erfolgreich zu bewältigen, können sie sich selbstbestimmt und eigenverantwortlich in der digitalen Welt bewegen. Regellernen allein führt hier nur kurzfristig zum Ziel. Lernende in die Lage zu versetzen, zum Beispiel eine bestimmte App herunterzuladen, aufzurufen und zu bedienen oder mit einem bestimmten Lernprogramm umzugehen, reicht nicht. Vielmehr geht es um den Erwerb von Handlungsfähigkeit in der Praxis und die Förderung von Problemlösekompetenz.
Deshalb haben die DIGIalpha Lernbausteine das Ziel, Lernende über reale Alltagssituationen an den Erwerb digitaler Grundkompetenzen heranzuführen. Dies gelingt, wenn Lehrkräfte Anwendungsfälle aus der Lebenswelt der Lernenden im Unterricht aufgreifen. Denn Lernende haben ein hohes Interesse daran, digitale Tools zu nutzen, die ihnen ihren Alltag erleichtern oder Unterhaltungswert haben:
  • Sie möchten das Internet nutzen, um sich zu informieren und ihre Freizeit zu gestalten.
  • Sie möchten sich allgemein oder für die Arbeit weiterbilden und etwas für ihre Gesundheit tun.
  • Sie möchten mobil sein und sich im öffentlichen Verkehr ohne fremde Hilfe zurechtfinden.
Übung:

Vervollständigen Sie für sich folgenden Satz:
                           Digitalisierung des Unterrichts bedeutet für mich…
   
Ihre Kolleg*innen würden den Satz so vervollständigen:
Der Selbst-Test gibt den Lernenden Informationen darüber, über welche digitalen Kompetenzen sie bereits verfügen. Angelehnt an DigComp 2.1, DigComp 2.2, DigComp 2.2 AT (Leistungsstufe 1) wurden insgesamt sechs Kompetenzbereiche benannt und davon ausgehend Kann-Beschreibungen formuliert, anhand derer sich die Lernenden selbst einschätzen können.
Wenn ein Lernender bei sich bereits Vorwissen feststellt, kann er dies mithilfe einer Übung ausprobieren. Nach der Bearbeitung der Übung wird auf den jeweils passenden Lernbaustein verwiesen, der auch verlinkt ist.
Indem Sie die DIGIalpha-Lernbausteine in den Unterricht einbeziehen, können folgende Lernziele verfolgt werden:
  • Die Lernenden erwerben über den Umgang mit verschiedenen verfügbaren Endgeräten grundlegende IT-Fähigkeiten. Dazu gehört insbesondere die Bedienung des eigenen Smartphones oder der durch die Einrichtung gestellten Tablets bzw. Laptops.
  • Über Simulationen in den Lernbausteinen machen sie sich vertraut mit Techniken der Informationssuche, -bewertung und –auswahl.
  • Zudem erwerben sie Kompetenzen zur digitalen Kommunikation, Interaktion und Kollaboration. Dies umfasst insbesondere auch grundlegende Anforderungen wie das Ausfüllen von Online-Formularen.
  • Dabei werden die Lernenden auch für einen kritischen Umgang mit Daten und für online geltende Regeln (wie z. B. Netiquette, zu Cookies und zu sicheren Passwörtern) sensibilisiert.
  • Es wird ihnen vermittelt, auf digitale Sicherheit zu achten und ihre Daten z. B. durch sichere Kennwörter zu schützen.
  • Zudem lernen sie Internetanwendungen zu nutzen. So können sie eigene Ziele erreichen und Probleme selbständig lösen. Dazu wird ihnen eine Auswahl von Apps als Alltagshelfer angeboten.
Darüber hinaus ist es sinnvoll, neben den DIGIalpha Lernbausteinen auch weitere digitale Tools in den Unterricht zu integrieren. Zum einen kann deren Nutzung im (Lern-)Alltag als Vorbild dienen, das die Lernenden zur eigenständigen Nutzung von Apps und anderen Anwendungen motivieren kann. Auf der anderen Seite können die Tools dabei helfen, den Unterricht ansprechend und interessant zu gestalten.
Bei der Verwendung digitaler Tools hilft Ihnen der Methodenkoffer, der in Modul 2 - Abschnitt: Der Methodenkoffer bereits vorgestellt wurde.
Beispiele:
  • Mithilfe dieser Tools können meist anonym bestimmte Daten abgefragt werden, z. B. können Stichworte zu einem bestimmten Thema in einer Wortwolke gesammelt werden. Damit eignet sich das Tool zum einen, um Antworten zu sammeln und visuell ansprechend abzubilden.
  • Da es verschiedene Frageformate wie Single oder Multiple Choice gibt, können diese Tools auch genutzt werden, um beispielsweise Vorwissen abzufragen. Es gibt die Möglichkeit, die Lernenden auch gegeneinander spielen zu lassen, wodurch spielerisches Lernen gefördert wird – das kann zusätzlich motivierend wirken.
  • Außerdem gibt es natürlich die Möglichkeit, die Lernenden eigene Quizzes erstellen zu lassen. Auf diese Weise lernen sie nach dem Prinzip „Lernen durch Lehren“ durch die Aufbereitung der Inhalte.
Ansicht der Spielenden
Übersicht über die Fragen für Lehrende
Einsatzbereich:

Interaktion im Unterricht -->  z. B. kurze Stimmungsbilder erstellen, Wünsche/Meinungen anonym abfragen, (Vor-)Wissen überprüfen, Übungen, Abstimmungen, Erstellen eigener Quizzes
  • Digitale Whiteboards bieten die Möglichkeit, visuell ansprechende Tafelbilder zu erstellen, da neben Text u. a. auch verschiedene Formen, Post-its und Medien wie Bilder oder Videos eingebunden werden können. Dementsprechend kann das Board auch abseits vom Unterricht für Visualisierungen und beispielsweise auch zur Arbeitsorganisation genutzt werden.
  • Einige Whiteboards haben keine Limits bezüglich der Größe der ausgearbeiteten Boards und außerdem können zum Teil – abhängig von Anbieter und gewähltem Paket - auch Lernende anonym das Board bearbeiten.
  • Eine weitere mögliche Nutzungsvariante ist, ein Board als Wissensspeicher oder Textsammlung über den gesamten Kurs hinweg zu nutzen und mit der Zeit zu befüllen. Das ermöglicht den vielseitigen Einsatz dieser Tools.
Einsatzbereiche:

Interaktion im Unterricht --> z. B. Ergebnisse von Gruppenarbeiten festhalten und visualisieren, Projektergebnisse dokumentieren, Tafelbild (um-)gestalten, Themensammlung anlegen

Unterricht nach-/vorbereiten --> z. B. Sammlung kurzer Zusammenfassungen jeder Unterrichtsstunde, Übungen vorbereiten 
  • Es gibt unterschiedliche Anbieter für digitale Übungsformate, über deren Internetseite unterschiedliche Übungen erstellt und mit Lernenden geteilt werden können. Oft sind auch Übungen, die andere Lehrende erstellt haben, nutzbar, so dass die Seiten auch als Materialsammlung dienen können.
  • In der Regel benötigt man einen Zugang, wenn man eigene Übungen erstellen möchte, die Verwendung bereits vorhandener Materialien dagegen ist ohne Anmeldung möglich.
  • Häufig gibt es verschiedene Fragetypen und Übungsformate, die ausgewählt werden können. Beispielsweise LearningSnacks ist im Chatformat gestaltet: Es werden nacheinander kurze Texte, aber auch Bilder, Videos oder integrierte Übungen präsentiert, die Lernende bearbeiten können. Andere Anbieter wie genially bieten auch die Möglichkeit, Lerninhalte in Form verschiedener Lernspiele (z. B. als Memory oder Escape Spiel) zu präsentieren.
Übung:
Bearbeiten Sie folgenden LearningSnack.
Einsatzbereiche:

Interaktion im Unterricht​ --> z. B. Übung und Wiederholung von Inhalten, Wissen abfragen, Präsentation neuer Inhalte, Lernende erstellen eigene Übungen

Übung für Lernende​ --> z. B. als Hausaufgabe
  • Zum Beispiel auf den Seiten „BLOG: Einfach Alles“ und „Nachrichten leicht“ finden Sie Texte zu unterschiedlichen Themen in einfacher Sprache. Diese Texte können Sie im Rahmen Ihres Unterrichts nutzen, um zum Beispiel den Einstieg in ein Thema zu gestalten.
  • Die Texte lassen sich unterschiedlichen Textsorten wie Blog-Beitrag zuordnen, die Gegenstand des Unterrichts sein können. Es bietet sich an, die Merkmale einer Textsorte anhand eines oder mehrerer Beispieltexte mit den Lernenden zu erarbeiten. Die Lernenden können zum Beispiel – geleitet von gezielten Fragen – Inhalt und Aufbau eines Textes erkunden. Oder sie überprüfen, ob alle Merkmale einer Textsorte in einem konkreten Text enthalten sind.
Übung:
Lesen Sie den Text „Maya im Selfie-Museum“ und überlegen Sie sich, wie Sie diesen Text in den Unterricht einbinden können. Möchten Sie den Text als Einstieg nutzen, oder die Textarbeit ins Zentrum der Lerneinheit stellen? Welche Übungen könnten sich an den Text anschließen?
Anschließend finden Sie hier einen Vorschlag, wie Sie im Unterricht mit dem Text arbeiten können.
Phase
Inhalt
Arbeitsform
Zeit
Einstieg ins Thema
Diskussion:
Was kann man in einem „Selfie-Museum“ sehen?
Plenum / Kleingruppen
15 min
Textarbeit
Lesen Sie gemeinsam den Text „Maya im Selfie-Museum“.
  1. Wortschatzarbeit:
    Klären Sie die Bedeutung neuer Begriffe und üben Sie diese.
  2. Fragen zum Text:
    z. B. Was ist ein Selfie-Museum? Was kann man dort machen?
  3. Textsorte Blog-Beitrag:
    Erarbeiten Sie gemeinsam am Text, was ein Blog-Beitrag ist (z. B. mögliche Themen, Inhalt, Aufbau des Textes).
Plenum / Kleingruppe / bei fortgeschrittenen Lernenden ggf. Einzelarbeit
insgesamt 90 bis 180 min
Übung
Die Lernenden schreiben nun in Kleingruppen oder alleine einen eigenen Blog-Beitrag zu einem ausgewählten Thema; die Lehrkraft unterstützt. 
Einzelarbeit / Kleingruppen
45 bis 90 min
Reflexion:

Machen Sie sich Notizen zu folgenden Fragen:
  1. Was sind förderliche Bedingungen für den Einsatz der digitalen Tools?
  2. Was sind hinderliche Bedingungen für den Einsatz digitaler Tools?
Bei der Entwicklung der DIGIalpha-Lernbausteine wurde auf den Ansatz des „Use-Case Approach“ zurückgegriffen, der bei der Aufschlüsselung von Alltagssituationen für den Unterricht helfen kann.
Use-Case Approach (Grundprinzipien)
  • Beschreibe Dinge einfach – mit Geschichten („telling stories“).
  • Verstehe das große Ganze („big picture“).
  • Stelle den Mehrwert („value“) in den Mittelpunkt.
  • Baue das System abschnittsweise („in slices“) auf.
  • Liefere das System in Erweiterungen („in increments“).
  • Passe dich den Rahmenbedingungen („needs“) an.
                                    (Quelle: Jacobson, I./Spence, I./Bittner, K. (2011): USE-CASE 2.0. The Guide to Succeeding with Use Cases)
Möchte man eine Alltagssituation mithilfe dieses Ansatzes bearbeiten, muss man zunächst den prototypischen Ablauf identifizieren: Welche Schritte sind nacheinander notwendig, wenn die Situation wie gewohnt abläuft? Diese Schritte werden in den DIGIalpha-Lerneinheiten in der „Übersicht“ präsentiert. Zudem sollten Sie sich hier bereits überlegen, welche Lernziele in der Lerneinheit fokussiert werden.
Anschließend können Sie den prototypischen Ablauf durch mögliche Varianten (z. B. Bar- vs. Kartenzahlung) und auch denkbare Hürden (z. B. Änderung der Abfahrtzeiten beim Bus) ergänzen. Diese Varianten werden in den Lernbausteinen in der Regel unter „Tipps“ berücksichtigt. Außerdem sollten Sie überprüfen, ob Lernziele ergänzt werden müssen.
Nun beginnen Sie mit der inhaltlichen Ausgestaltung der einzelnen Schritte. Gegebenenfalls möchten Sie zunächst die Lernziele für den jeweiligen Abschnitt festlegen, bevor Sie die zu vermittelnden Inhalte identifizieren. Dabei hilft Ihnen die Frage: Was müssen die Lernenden wissen, um diesen Schritt bewältigen zu können?
Außerdem wählen Sie Übungen und Lernmaterialien wie Texte oder Lernvideos aus, die Sie verwenden möchten. Denken Sie auch darüber nach, ob sie vielleicht digitale Tools einsetzen können.
Zuletzt gestalten Sie einen ansprechenden Einstieg, der zum Beispiel den Nutzen der Lerneinheit in den Vordergrund stellt – ähnlich wie die Mehrwertvideos. Außerdem können Sie einen passenden Rückblick, der das Thema abschließt und ggf. die Inhalte noch einmal wiederholt, auswählen.
   
Übung:

Machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen und halten Sie Ihre Ideen fest:
  1. Wie können Sie im Unterricht Bezug zur Lebenswelt der Lernenden herstellen?
  2. Welche Alltagssituationen (z. B. online einen Termin vereinbaren) eignen sich zur Förderung digitaler Grundkompetenzen?
  3. Welche Einsatzmöglichkeiten digitaler Tools sehen Sie in Ihrem Kurs?
Folgende Alltagssituationen konnten Ihre Kolleg*innen identifizieren:
Übung:

Suchen Sie sich eine der notierten Alltagssituation aus. Folgen Sie dann schrittweise den Arbeitsaufträgen und entwerfen Sie ein eigenes Unterrichtsprojekt.
  1. Wie ist der typische Ablauf dieser Alltagssituation? Welche einzelnen Schritte gibt es?
    Tipp: Sie können sich hierbei an den Lernbausteinen orientieren.

  2. Wählen Sie einen dieser Schritt aus und entwerfen Sie dazu eine Unterrichtsskizze:
  • Benennen sind mögliche Lernziele und –inhalte.
  • Überlegen Sie, welche digitalen Tools Sie einsetzen möchten und wie Sie sie nutzen würden.
  • Welche Materialien und Übungen könnten Sie nutzen? Und wie viel Zeit planen Sie dafür jeweils ein?
Tipp: Bei der Entwicklung eigener Lerneinheiten helfen Ihnen auch die DIGIalpha Entwicklungstools.