Modul 3

Einleitung

Lehrende können Lernende digital gestützt und anhand von Anwendungsbeispielen aus der Arbeits- und Lebenswelt zum informellen und selbstgesteuerten Lernen anregen

Zudem ist es wichtig, die Kritik- und Selbstlernfähigkeit der Lernenden zu fördern. Hierfür eignen sich Ansätze einer problemorientierten Didaktik. Diese geht davon aus, dass Lernen automatisch stattfindet, wenn ein Anwendungsbezug gegeben ist und die Auseinandersetzung mit dem Problem als sinnvoll erachtet wird.

Für anwendungsnahes, digitales und kompetenzorientiertes Lernen bieten sich Lernformen an, die
  • das Verständnis der Lernenden sicherstellen (z. B. durch interaktive Tests),
  • ihre Motivation fördern (z. B. durch Lernspiele),
  • sie kognitiv aktivieren (z. B. durch Lern- und Arbeitsaufgaben oder Projektaufträge) und
  • die soziale Interaktion anregen (z. B. durch Gruppenarbeiten).
Derzeit stellt sich die Situation an GBZ- und BEF Alpha-Standorten wie folgt da:
  • Es gibt offene Lernangebote in der Grundbildung.
  • Ergänzt werden diese offenen Lernangebote durch u. a. klassische Kurse zum Lesen, Schreiben oder Rechnen sowie durch Angebote mit Lebens- und Arbeitsweltbezug.
  • Lernangebote im Bereich digitale Grundbildung (z. B. Grundlagen in der Nutzung digitaler Geräte) gibt es teilweise bereits oder sind geplant.
  • Digitale Medien werden bereits in den Unterricht einbezogen, meist das VHS-Lernportal.
  • Gelernt wird meist in Kleingruppen, die Lernvoraussetzungen und –erfahrungen der Lernenden sind jedoch sehr heterogen.
  • Die Lernenden haben meist ein Handy oder Smartphone, aber keinen Laptop/PC.
  • An den meisten Standorten kann W-Lan genutzt werden, zudem können Laptops oder/und PCs in der Regel während des Unterrichts genutzt werden. Daneben sind zum Teil auch Headsets und Beamer vorhanden.
Good Practice: Lern- und Digital-Coaches am GBZ Ortenau

Das GBZ Ortenau arbeitet mit einem s.g. Digital-Coach. Der Digital-Coach ist ein ehemaliger Techniker der Telekom, der laufende Kursangebote besucht und Lernende individuell betreut. Er zeigt ihnen die Grundfunktionen des eigenen Endgeräts, richtet Apps ein und probiert diese mit Lernenden aus.

Auf diese Weise lernen die Kursteilnehmenden nicht nur ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend ihr eigenes Gerät kennen, sie haben auch einen kompetenten Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. Dadurch kann das Gerät zum echten Alltagshelfer werden, der mit sämtlichen nützlichen Hilfen (z. B. nützliche Apps und gezielt auf die Lernenden angepasste Einstellungen) ausgestattet ist. Zudem wird die Lehrkraft deutlich entlastet. Sie kann die durch die Unterstützung gewonnenen Ressourcen beispielsweise im Sinne der Lernprozessbegleitung nutzen.
Reflexion 1:
Nutzen Sie die Übersicht über den aktuellen Status quo und überlegen Sie sich, wie die Situation an Ihrem Standort aussieht:
  • Welche der genannten Angebote und Bedingungen sind bei Ihnen bereits gegeben?
  • Wo gibt es noch Erweiterungsbedarf?
  • Welche Angebote über die genannten hinaus gibt es an Ihrem Standort?
  • Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Zukunft?
Reflexion 2:
Im Prinzip unterscheiden sich die Ansätze digitaler und analoger Lernprozessbegleitung nicht. Die Grundhaltung der Lehrkräfte den Lernenden gegenüber ist in beiden Fällen von Respekt und Vertrauen geprägt.
  • Welches Selbstverständnis haben Sie selbst im Bezug auf die Lernprozessbegleitung?
  • Was sind die Ziele, die Sie in Ihrer Arbeit mit den Lernenden verfolgen?
  • Wo liegen Ihre Grenzen: Was können Sie (noch) leisten, was können Sie nicht leisten?
Folgende Ergebnisse wurden im Rahmen der Fokusgruppe mit Leitenden und Lehrenden zum Thema Lernprozessbegleitung erarbeitet:

Aufgaben von LPB:
  • Lernende motivieren
    • auf die Wünsche/Interessen von Lernenden eingehen
    • Fähigkeiten und Lernbedürfnisse von Lernenden herauskitzeln
    • Ermutigen der Lernenden
    • Befindlichkeit/Tagesform der Lernenden berücksichtigen
  • Kompetenzfeststellung und Lernerfolgskontrolle
  • Lernzielvereinbarung erstellen
  • Lernpfade ableiten
    • passende Lerngruppe finden
    • Ziele der Lernenden im Augen behalten und die Lerninhalte darauf abstimmen
  • Lernarrangement gestalten
  • Bedürfnisse der Lernenden erkennen und dementsprechend lehren
    • Mit Erklärungen zurückhalten, wenn der Lernende das benötigt -> manche Lernende müssen selbst üben und wiederholen
    • Anleitung der Lernenden -> Lernenden individuell angepasst Lernhäppchen präsentieren
    • Passende Methoden wählen (Kreativität, Humor)
  • Anerkennung der Lernfortschritte: Rückmeldung, Lob  
  • Wissensaufbau unterstützen, neue Erkenntnisse sichern
  • Erfahrungen gemeinsam reflektieren
Eigenschaften von LPB:
  • Selbstbild von LPB: professionelles Vorbild, emotionaler Fels
  • Einstellungen von LPB gegenüber den Lernenden:
    • Positive Grundhaltung
    • Vertrauen zu den Lernenden
    • Nicht zu viele Hoffnungen wecken, realistisch bleiben
    • Schlechte Erfahrungen der TN berücksichtigen
  • Selbstreflexion und –kritik
  • Motivationsfähigkeit
Eine der zentralen Aufgaben der Lernprozessbegleitung ist es Lernende zu motivieren und zu ermutigen, aber auch die Gestaltung des Lernarrangements und die Evaluation des Lernerfolgs. Dazu gehört es auch, die Lernziele der Lernenden im Blick zu behalten, die sich aus den Anforderungen in Alltag und Beruf sowie den Zukunftsplänen und Bildungszielen der Lernenden ergeben.

Um gleichermaßen das formale Lernen im Kurs und das informelle Lernen im Alltag anzuregen, gilt es alle möglichen Lernorte für das digitale Lernen zu erschließen. Offene Lernangebote bieten für Lernende einen niedrigschwelligen Zugang, um sich digitalen Themen anzunähern. Der Kurs ist gerade für digitale Neulinge ein geschützter Raum für den Einstieg in die Digitalisierung. Außerdem sollten auch außerhalb der Einrichtung geeignete Rahmenbedingungen für selbstorganisiertes Lernen mittels digitaler Medien geschaffen werden, indem z. B. Leihgeräte angeboten werden.
Tipp: Für das Abspielen des Films drücken Sie auf die Abbildung.
Sie sind in der Lage auf die vielfältigen Bedürfnisse Lernender in offenen Lernangeboten und im Unterricht einzugehen, aber das Übertragen des eigenen Wissens und der Erfahrungen als Lernprozessbegleitung in den digitalen Raum führt oft zu Unsicherheit. Mögliche Gründe sind:
  • Manche Lehrkräfte befürchten, dass sie selbst erst zu Expert*innen in Fragen der Digitalisierung werden müssten, um digitale Grundbildung zu leisten. Gerade Einsteiger*innen und Entdecker*innen, die bisher nur wenig Kontakt mit digitalen Medien haben, sehen sich nicht dazu in der Lage diesen Anspruch zu erfüllen.
  • Andere wiederum können bereits auf ein breites Repertoire an digitalen Praktiken zurückgreifen. Für den Grundbildungsbereich ist es jedoch ausreichend, wenn Lehrkräfte ihren Unterricht digital anreichern und digitale Werkzeuge in ihren Methodenkoffer aufnehmen.
Tools zur Selbstreflexion eigener (medien-)pädagogischer Kompetenzen zeigen Lehrkräften auf, wo sie stehen, und helfen ihnen dabei mit Anforderungen von außen und den eigenen Ansprüchen besser umzugehen. Zudem eröffnen sie Möglichkeiten (digitale) Kompetenzen zielgerichtet weiterzuentwickeln.
Tools zur Selbstreflexion finden Sie u. a. hier:
  • Die Selbstreflexion zur Lernprozessbegleitung hilft Lehrkräften ihren persönlichen Lernbedarf besser einzuschätzen (Formblatt LPB).
  • Das DigCompEduCheckIn Tool bietet eine umfassende Kompetenzeinschätzung zu sechs Kompetenzbereichen (DigCompEdu-AE-DE).
  • Ein umfassendes Verfahren und Instrumente, mit denen Lehrende ihre Kompetenzen anerkennen und weiterentwickeln können, wurde vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung e.V. (DIE) im Projekt GRETA (https://www.greta-die.de) entwickelt.
Die DIGIalpha Lernbausteine versetzen Lernende in die Lage Grundbildungsanforderung selbständig zu bewältigen. Denn digital-gestützt kann im Kurs anhand von Anwendungsbeispielen aus dem Alltag gleichzeitig praxisnah und doch in einem geschützten Rahmen gelernt werden.
Alle Lerninhalte sind so aufgebaut, dass sie den Lernenden anwendungsnah und Schritt für Schritt die Lerninhalte vermitteln:
  • Zuerst wird den Lernenden veranschaulicht, warum sie sich mit einem bestimmten digitalen Thema beschäftigen sollen. Denn gerade wenig medienaffine gering literalisierte Lernende sehen oft keine Notwendigkeit, digitale Grundkompetenzen zu erwerben. Doch steigt ihre Lernmotivation meist, wenn sie begreifen, welchen Mehrwert der Einsatz digitaler Medien für sie persönlich haben kann.
  • Über „Lernen kompakt“ erfahren die Lernenden, wie sie vorgehen müssen, um die betreffende Alltagsaufgabe zu lösen. Dazu können sie sich ein kommentiertes Video zu einem exemplarischen Anwendungsfall ansehen.
  • Im Lernbaustein selbst werden in einer Übersicht die einzelnen Schritte, die dabei zu bewältigen sind, nochmals über Kurzbeschreibungen erläutert. Dann werden wichtige Begriffe, die in Zusammenhang mit dem ausgewählten Thema stehen, eingeführt. Dazu dient die Wortliste und Worterklärungen, auf die die Lernenden über den Lernbaustein hinweg zugreifen können. Erst nachdem die Lernenden sich auf diesem Weg mit der Alltagssituation vertraut gemacht haben, werden sie über eine kleinteilige Anleitung mit Übungen und Tipps vom Start bis zum Ziel durch das den Anwendungsfall geführt. Wenig medienaffine Lernende können bei Bedarf auf Lernhilfen zurückgreifen. Fortgeschrittene Lernende und Lernende mit besonderen Bedürfnissen können für sie relevante Lerninhalte gezielt auswählen.
Die Lernbausteine präsentieren die Lerninhalte in einfacher Sprache, angepasst an gering literalisierte Erwachsene auf Textebene mit guten mündlichen Deutschkenntnissen (B1). Zudem sollten die Lernenden ihr Smartphone bedienen können. Um auch Lernende, die diese Voraussetzungen (noch) nicht vollständig erfüllen, einzubeziehen, enthalten die Lernbausteine zudem:
  • Lernhilfen für wenig medienaffine Lernende
  • Worterklärungen für Zweitsprachler*innen aus Alphakursen
  • Erläuterungstexte als Leseübung für Lernende auf Satzebene
Die verschiedenen Lernbausteine finden Sie hier.

Die Lernbausteine beschreiben ausgewählte Anwendungsfälle aus dem Alltag der Lernenden. Sie dienen der Vermittlung von und Sensibilisierung für
  • grundlegende IT-Fähigkeiten (v. a. Bedienung von Endgeräten)
  • Techniken der Informationssuche, -bewertung und -auswahl (v. a. Übung durch Simulation)
  • Kompetenzen zur digitalen Kommunikation, Interaktion und Kollaboration (z. B. Ausfüllen von Online-Formularen)
  • online geltende Regeln (z. B. Unterscheidung kostenlose/-pflichtige Dienste)
  • digitale Sicherheit (z. B. sicheres Kennwort)
Es geht dabei insgesamt auch darum, die Lernenden zu ermächtigen digitale Medien wie Apps zu nutzen und damit umzugehen.
Ein wichtiges Hilfsmittel für die digitale Lernprozessbegleitung ist der Selbst-Test für Lernende, der im Projekt als Tool zur Erhebung des individuellen Förderbedarfs Lernender im Bereich der digitalen Grundbildung entwickelt wurde. Individuelle Lernpfade werden über eine automatische Auswertungsroutine generiert. So erhalten Lernende Rückmeldung zu ihrem Stand und Empfehlungen, was und wie sie weiterlernen können.
Hier sehen Sie ein Beispiel, das zeigt wie Sie einen Lernbaustein in den Unterricht einbinden können.
Den Mehrwert erlebbar machen (1)
  • Einführung: Begrüßung und Vorstellung des Themas (5 min)
  • Video: Mehrwert-Film (5 min)
  • Selbstreflexion und/oder Austausch eigener Erfahrungen als Gruppe (20 min)
Ziel:
Den Lernenden wird veranschaulicht, warum sie sich mit einem bestimmten digitalen Thema beschäftigen sollen. Denn gerade wenig medienaffine gering Literalisierte sehen oft keine Notwendigkeit, digitale Grundkompetenzen zu erwerben. Doch steigt ihre Lernmotivation meist, wenn sie begreifen, welchen Mehrwert der Einsatz digitaler Medien für sie persönlich haben kann.

Einführung:
Heute geht es um die eigene E-Mail-Adresse:
  • Wozu brauche ich eine eigene E-Mail-Adresse?
  • Wie bekomme ich eine eigene E-Mail-Adresse?
  • Was benötige ich dazu?
  • Wer kann mir dabei helfen?
Video:
Tipp: Für das Abspielen des Films drücken Sie auf die Abbildung.
Austausch:
  • Wer hat bereits eine eigene E-Mail-Adresse? Wer nicht?
  • Wie erleichtert eine eigene E-Mail-Adresse den Alltag?
    (Zusammentragen der Beispiele aus dem Video und ggf. ergänzen)
  • Wozu kann ich meine eigene E-Mail-Adresse nutzen?
  • Wie schwierig ist es eine eigene E-Mail-Adresse einzurichten?
Das Vorgehen veranschaulichen (2) und den Überblick behalten (3)
  • Video: Lernen kompakt (5 min)
  • Übung (Einzelarbeit oder Kleingruppe): Wie gehen Sie vor? (15 min)
  • Präsentation: Umgang mit der Übersicht im Lernbaustein (10 min)
Ziel:
Die Lernenden erfahren, wie sie vorgehen müssen, um die betreffende Alltagsaufgabe zu lösen. Dazu können sie sich ein kommentiertes Video zu dem betreffenden Anwendungsfall ansehen. Die einzelnen Schritte, die dabei zu bewältigen sind, werden über Kurzbeschreibungen erläutert.
Video:
Tipp: Für das Abspielen des Films drücken Sie auf die Abbildung.
Übung:
Wie bekomme ich eine eigene E-Mail-Adresse? So gehe ich vor? (evtl. Schritte auf Moderationskarten vorgeben und ordnen lassen.)
  • Schritt 1:
  • Schritt 2:
  • Schritt 3:
  • Schritt 4:
  • Schritt 5:
  • Schritt 6:
  • Schritt 7:
  • Schritt 8:
Tipp! Sie können die Übung auch online, z. B. mit dem Tool Wordwall, vorbereiten.
Präsentation:
Schwierige Wörter einführen (4)
  • Übung (Einzelarbeit oder Kleingruppe): Wortwolke? (15 min)
  • Präsentation: Umgang mit der Wortliste im Lernbaustein (15 min)
Ziel:
Wichtige Begriffe, die in Zusammenhang mit dem ausgewählten Thema stehen, werden eingeführt. Dazu dient die Wortliste mit Worterklärungen, auf die die Lernenden über den Lernbaustein hinweg zugreifen können.
Wortwolke:
  • Welche Wörter sind wichtig?
  • Welche Wörter kenne ich schon?
  • Welche Wörter sind neu für mich?
Präsentation:
Schritt-für-Schritt Anleitung (5)
  • Einführung in die Funktionen des Lernbausteins mit der Lernhilfe (10 min)
  • Selbstgesteuerte Einzelarbeiten mit dem Lernbaustein (20 min)
Ziel:
Erst nachdem die Lernenden sich auf diesem Weg mit der Alltagssituation vertraut gemacht haben, werden sie über eine kleinteilige Anleitung mit Übungen und Tipps mit Hilfe des Lernbausteins durch den Anwendungsfall geführt.
Lernbaustein:
Tipp: Für das Abspielen des Lernbausteins drücken Sie auf die Abbildung.
Einführung:
Einführung in die Bedienung des Lernbausteins über die Lernhilfe (Präsentation durch die Lehrkraft).
  • Übersicht
  • Wortliste
  • Video
  • Übungen
Arbeitsauftrag: Selbst lernen (6)
  • Abfrage und Austausch eigener Erfahrungen in der Gruppe (15 min)
  • Planung des weiteren Vorgehens (15 min)
Ziel:
Die Lernenden sollen angeregt werden selbstgesteuert mit dem Lernbaustein weiter zu arbeiten.
  • Fortgeschrittene Lernende können für sie relevante Lerninhalte gezielt auswählen.
  • Neulinge und Anfänger können auf ausgewählte Übungen orientiert werden.
Abfrage:
  • Ich möchte weiter mit dem Lernbaustein arbeiten.
  • Ich finde der Lernbaustein ist einfach zu bedienen.
  • Ich kann den Lernbaustein ohne Unterstützung nutzen.
Ausklang:
  • Was haben wir gelernt?
  • Wie möchten wir weiter vorgehen?